28 Apr

5 Dinge, die Eltern mehrsprachig aufwachsender Kleinkinder wissen sollten

1) Dass man mit seinem Kind von Anfang an und konsequent in einer bestimmten Sprache spricht, führt nicht unbedingt dazu, dass es diese Sprache auch aktiv sprechen wird

Viele mehrsprachig erziehende Eltern stellen irgendwann fest, dass ihr Kind nur noch die Landessprache spricht. Geht ihr Kind in den deutschsprachigen Kindergarten, ist dies oft ganz natürlich. Das Kind weiß meistens, dass es von Mama/Papa im Deutschen auch verstanden wird, und so verliert die Nicht-Landessprache an Relevanz – auch wenn das Kind diese Sprache von Geburt an und immer sehr konsequent von Mama oder Papa gehört hat. Die Aneignung einer Sprache bedarf einer aktiven Förderung und entsprechender Bedingungen. Besonders auf eine positive Einstellung und ein ausgeglichenes Sprachangebot sollte geachtet werden. 

2) Struktur ist wichtig, Flexibilität aber auch

Spricht man mit seinem Kind in einer bestimmten Sprache, so ist es nicht schlimm, wenn man mit ihm auf dem Spielplatz, in der Kita-Garderobe oder allgemein in der Öffentlichkeit mal in der Landessprache spricht. Manche Eltern fragen sich, ob es ihr Kind verwirren könnte. Doch das wird es nicht. Es ist allerdings wichtig, einer klaren Linie zu folgen, von der man mal abweichen darf. Man möchte manchmal einfach von anderen Kindern oder Eltern verstanden werden bzw. – was viele Eltern berichten, die zu mir zur Beratung kommen – man möchte sich nicht als „Fremde/r“ fühlen. Hier würde ich trotzdem empfehlen, so gut es geht in der eigenen Sprache zu bleiben und eventuell nochmals für andere Anwesende im Deutschen zusammenzufassen oder zu übersetzen, was dem Kind gerade gesagt wurde. Es ist ein wahrer Jonglage-Akt. Beides ist wichtig: dass das Kind mitbekommt, dass man sich dem Sprachumfeld anpassen sollte (also in dem Fall deutsch sprechen sollte), aber auch dass es keinen Grund hat, sich dafür zu schämen, in seiner anderen Muttersprache zu sprechen. 

3) Das strikte Ein-Elternteil-Eine Sprache-Modell ist nicht das Einzige, das funktioniert

Für viele Paarbeziehungen, in denen zwei oder mehrere Sprachen gesprochen werden, ist vor der Geburt des Kindes schon klar, dass sie sich die Sprachen aufteilen werden, d.h. dass der eine Elternteil mit dem Kind immer nur eine Sprache sprechen wird und der andere immer die andere Sprache. In vielen Familien- und Sprachkonstellationen macht das so am meisten Sinn. Doch es ist nicht das Einzige, was funktioniert. Manchmal wäre sogar eher zu empfehlen, sich für ein anderes Modell zu entscheiden. Sprechen z.B. beide Eltern beide Sprachen auf muttersprachlichem Niveau, könnte das Ein-Raum-Eine-Sprache-Modell (d.h. dass zu Hause nur die Nicht-Landessprache gesprochen wird) durchaus die beste Strategie sein. Dabei gilt es aber bestimmte Regeln zu befolgen, wie z.B. dem frühzeitigen Eintritt in den deutschsprachigen Kindergarten (am Besten spätestens im Alter von etwa 2,5 Jahren). 

Manchmal kann es empfehlenswert sein – zumindest für eine gewisse Zeit – die Strategie zu wechseln, z.B. wenn die Eltern feststellen, dass die Nicht-Landessprache gar nicht mehr aktiviert wird. Man muss immer schauen, wie sich alle Familienmitglieder wohlfühlen und wie man es so gestalten kann, dass einerseits die Nicht-Landessprache nicht zu kurz kommt und andererseits die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass die Landessprache sich spätestens ab Eintritt in den Kindergarten altersgerecht entwickeln kann.

Grundsätzlich sollte man mit seinem Kind hauptsächlich in seiner Herzenssprache sprechen – d.h. in der Sprache, in der man alles ausdrücken kann und sich am Wohlsten fühlt.

4) Intensives Mischen der Sprachen ist kein Grund zur Sorge

Kinder, die mit zwei oder mehreren Sprachen aufwachsen, durchlaufen eine Phase des Mischens. Sie übertragen nicht nur Wörter von der einen Sprache in die andere, sondern auch grammatikalische Muster und Regeln. Das ist vollkommen normal und gehört zum Erwerbsprozess dazu. Bis sie etwa 4 Jahre alt sind, legt sich das meistens. Wichtig ist hier, als Elternteil immer konsequent zu bleiben und für das Kind das beste Vorbild zu sein, d.h. selbst die Sprachen nicht zu mischen. 

5) Bilinguale Erziehung allein kann kein Kind überfordern

Das Sprachenlernen wird mehrsprachig aufwachsenden Kindern nicht dadurch erschwert, dass sie mehrere Sprachen gleichzeitig lernen müssen. Diese Bedingung allein kann nicht der Grund für eine Überforderung bzw. eine Sprachstörung sein. Allerdings bedarf der Spracherwerb, genau wie bei monolingualen Kindern, günstige Bedingungen. Das Sprachumfeld – d.h. die Zuwendung und das Sprachangebot der Eltern – spielt dabei eine wesentliche Rolle, aber auch die Gesamtentwicklung des Kindes ist entscheidend.

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