03 Feb

Warum „Herzenssprachen“?

Oft wird mich gefragt: „Warum eigentlich Herzenssprachen?“. Ich freue mich immer sehr, eine Antwort auf diese Frage geben zu dürfen, und das möchte ich auch hier in diesem Beitrag tun.

Die Idee für diesen Namen entstand als ich den Satz der Sprachwissenschaftlerin Frau. Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebertbzgl. Migrantenkindern in einem Artikel (Link findet Ihr unten) las: „[…]die Sprache, die die Eltern dieser Kinder sprechen, also die Herkunftssprache, [ist] auch oft ihre Herzens- und Familiensprache […]. Also die Sprache, in der sie Geborgenheit spüren, in der sie die Liebe ihrer Eltern spüren“. 

Da dachte ich mir: „Ja, das ist es, das ist der Kern der ganzen Sache.“ Heute weiß man, dass der Aufbau einer emotionalen Bindung für den Spracherwerbsprozess äußerst wichtig ist. Und diese emotionale Bindung kann nur dann entstehen, wenn wir, als Mütter und Väter, unseren Kindern Geborgenheit und Liebe bzw. die feinsten Gedanken aus der Seele und Gefühle aus dem Herzen durch unsere Sprache vermitteln können, d.h. wenn wir mit unseren Kindern in unserer Herzenssprache (in der Sprache, die uns am Nächsten liegt) sprechen – und meist ist es unsere Muttersprache. 

Aber es ist nicht alles was dahinter steckt.

Mit dem Namen Herzenssprachen will ich auch meine Einsicht vermitteln, dass uns Menschen, jenseits von Sprachbarrieren, eine Sprache verbindet: Die des Herzens. Wir alle empfinden die gleichen Gefühle und Emotionen: Glück, Trauer, Wut, Stolz, Liebe, Mitgefühl; nur wir drücken diese einfach anders aus, jeder in seiner eigenen Sprache. Wer in der Lage ist, mit seinen Mitmenschen mit dem Herzen zu sprechen, d.h. wer in der Lage ist, jenseits von Kulturunterschieden mit seinen Mitmenschen mitzufühlen – du fühlst Trauer? Ich traue mit dir; du fühlst Wut? Ich fühle mit dir; Du denkst anderes als ich? Ich respektiere es, ohne dich zu verurteilen –  der ist ein wichtiger Baustein im Aufbau einer pluralen, vielfältigen und toleranten Gesellschaft. 

In unseren mehrsprachig aufwachsenden Kindern steckt dieses Potenzial umso mehr, als sie mit zwei (oder mehr) Sprachen und gleich auch mit mehreren Kulturen aufwachsen. Dadurch lernen sie von Anfang an, mit Andersartigkeit umzugehen bzw. einen Standpunkt immer von zwei Perspektiven aus zu betrachten. Das beginnt damit, dass sie schon im Kleinkindalter irgendwann begreifen, dass es für einen Gegenstand mehrere Wörter geben kann und dass in jedem dieser Wörter womöglich unterschiedliche Nuancen stecken. Im Deutschen ist die Sonne z.B. weiblich, im Französischen männlich (le soleil). Solche Nuancen prägen unbewusst unsere Wahrnehmung der Welt. Gleich zwei Wahrnehmungen zu haben, verstärkt demnach die Fähigkeit zur Weltoffenheit und Toleranz.  

Unsere Kinder werden allerdings nur dann so weltoffen und tolerant werden, wenn wir, als Eltern, eine positive Einstellung zu den diversen Sprachen und Kulturen haben und diese ihnen vermitteln. Allein mehrsprachig aufzuwachsen reicht nicht aus, es braucht die passende Begleitung;  auch damit später keine Probleme in der Selbstfindung unserer Kinder auftreten bzw. damit sie keine Schwierigkeiten haben, Brücken von der einen Kultur zur anderen zu schlagen.

Link zum Artikel: https://www.pnn.de/wissenschaft/fachhochschule-clara-hoffbauer-potsdam-muttersprachen-sind-herzenssprachen/23897694.html (zuletzt abgerufen: am 03.02.20)

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