02 Mrz

Was ist eine erfolgreiche mehrsprachige Erziehung?

Ich unterhielt mich letztens mit einer Mutter, die zu mir zur Beratung gekommen war. Sie erzählte mir wie sie sich neulich gefühlt habe, als sie in der Kita hörte wie andere Kinder, die so wie ihre Tochter mehrsprachig aufwachsen, auch wirklich aktiv beide Sprachen nutzten. Das hat sie völlig verunsichert da ihre Tochter seit einer langen Zeit fast nur Deutsch mit ihr spricht. Dies brachte mir zu der Idee, diesen Beitrag zu schreiben, um allen, die sich vielleicht auch mal in einer solchen Gefühlslage befanden oder befinden werden, Mut zu machen.

Es ist ein schöner sonniger Nachmittag, Sie holen Ihr Kind von der Kita ab und freuen sich darüber, nach einem anstrengenden Arbeitstag mit ihm Zeit zu verbringen. Ihr Kind sieht Sie, umarmt Sie, zusammen und voller Freude gehen Sie in die Garderobe. 

Doch da hören Sie es: das eine Kind, das mit seinem Papa Deutsch spricht und in der Sekunde danach seine Mutter auf Chinesisch anspricht. Und da gleich das nächste Kind, das seinem Vater auf Englisch antwortet. Schon ist Ihre gute Laune verschwunden. Denn Sie denken sich: Warum spricht mein Kind eigentlich immer nur Deutsch mit mir? Warum funktioniert das bei uns nicht? Was machen wir falsch? Vielleicht sollten wir es lieber sein lassen mit der Zweisprachigkeit, das ist schon ganz schön anstrengend und das klappt sowieso nicht.

Doch haben Sie schon überlegt, inwiefern die Bedingungen in denen diese beiden Kinder mit zwei Sprachen aufwachsen von den Bedingungen abweichen, in denen Ihr Kind mehrsprachig aufwächst? Haben Sie z.B. schon überlegt, welche Sprache die Eltern miteinander sprechen? Wie die Balance zwischen Landessprache und Nicht-Landessprache ist? Haben Sie schon überlegt, wie viel Input Ihr Kind in der Nicht-Landessprache bekommt? Das ist nämlich sehr entscheidend. Entscheidender noch ist, sich nicht verunsichern zu lassen. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, gehen unterschiedliche Phasen durch. Und da ist nicht nur die Art und Weise wie die Eltern damit umgehen von Familie zu Familie sehr unterschiedlich, sondern auch wie die Kinder darauf reagieren. „Jedes Kind ist anders“ hört man oft genug, doch auch hier hat es eine große Bedeutung. Manche Kinder lernen die Nicht-Landessprache eine lange Zeit nur passiv – d.h. dass sie diese kaum aktivieren, dafür aber sehr viel bzw. alles verstehen. Irgendwann kommt sicherlich der Zeitpunkt, an dem sie diese Sprache auch mehr sprechen wollen. Hier heißt es: haben Sie Geduld und bleiben Sie dran! 

Haben Sie sich schon darüber Gedanken gemacht, was eine erfolgreiche mehrsprachige Erziehung eigentlich ist bzw. ausmacht? Ist eine erfolgreiche Mehrsprachigkeit automatisch eine in der das Kind mit vier Jahren konsequent jedes Elternteil in der von den Eltern erwünschten Sprache anspricht? Muss das Kind in beiden Sprachen gleich fit sein? Ich kann Sie beruhigen: so ist es nicht. 

Wussten Sie, dass eine ausbalancierte Mehrsprachigkeit eher die Ausnahme ist? Kinder lernen die Sprache dort, wo sie auch Input bekommen. Die Sprachkompetenz ist Kontextabhängig: Spreche ich gerade über meinen Tag in der deutschsprachigen Kita, wende ich lieber das Deutsche an, weil es mir leichter fällt. Spreche ich aber über den Urlaub bei Opa und Oma in Spanien, fällt es mir im Spanischen leichter. Das ist ganz natürlich und es braucht seine Zeit, bis die Kinder über alle möglichen Themen mit derselben Leichtigkeit sprechen können. Und vor allem, dies erfordert eine aktive Förderung der Eltern.  

In meinen Augen ist eine erfolgreiche Mehrsprachigkeit eine Mehrsprachigkeit in der das Kind ein positives Verhältnis zu seinen Sprachen und zur Sprache generell hat, dass es motiviert ist, sich sprachlich weiter zu entwickeln, auch wenn die eine Sprache eine Weile die von ihm meist aktivierte Sprache bleibt. Wichtig ist, es verweigert die andere Sprache nicht völlig, sondern aktiviert sie in gewissen – auch wenn nur punktuellen – Situationen – z.B. wenn es mit den Großeltern auf der anderen Seite der Grenze telefoniert. 

Behalten Sie im Auge, dass passives Lernen auch Lernen ist. Bieten Sie Ihrem Kind genug Input und erhöhen Sie die Funktionalität Ihrer Sprache. Es weiß, dass Sie Deutsch auch sehr gut können – warum sollte es mit Ihnen dann auf Spanisch reden obwohl es ihm im Deutschen leichter fällt? Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind einen Sinn darin sieht, in Ihrer Sprache mit Ihnen zu sprechen. Alle Mühen werden sich in Zukunft sicherlich lohnen und Ihr Kind wird Ihnen dankbar sein. 

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