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Was ist eine erfolgreiche mehrsprachige Erziehung?


02/03/2020

Ich unterhielt mich letztens mit einer Mutter, die zu mir zur Beratung gekommen war. Sie erzählte mir, wie sie sich neulich gefühlt habe, als sie in der Kita hörte, wie andere Kinder, die so wie ihre Tochter zweisprachig aufwachsen, auch wirklich aktiv beide Sprachen nutzten. Das hatte sie völlig verunsichert, da ihre Tochter seit einer langen Zeit fast nur Deutsch mit ihr spricht. Dies brachte mich zu der Idee, diesen Beitrag zu schreiben, um allen, die sich vielleicht auch mal in einer solchen Gefühlslage befanden oder befinden werden, Mut zu machen.

Es ist ein schöner sonniger Nachmittag, du holst dein Kind von der Kita ab und freust dich darüber, nach einem anstrengenden Arbeitstag mit ihm Zeit zu verbringen. Doch da hörst du es: Das eine Kind, das mit seinem Papa Deutsch spricht und in der Sekunde danach seine Mutter auf Chinesisch anspricht. Gleich danach das nächste Kind, das seinem Vater auf Englisch antwortet. Schon ist deine gute Laune verschwunden. Denn du denkst dir: "Warum spricht mein Kind eigentlich immer nur Deutsch mit mir? Warum funktioniert das bei uns nicht? Was machen wir falsch? Vielleicht sollten wir es lieber sein lassen mit der Zweisprachigkeit, das ist schon ganz schön anstrengend und das klappt sowieso nicht".

Doch hast du schon überlegt, inwiefern die Bedingungen in denen diese beiden anderen Kinder mit zwei Sprachen aufwachsen, von deinen familiären Rahmenbedingungen abweichen? Hast du z.B. schon überlegt, welche Sprache die Eltern miteinander sprechen? Wie die Balance zwischen der Landessprache und der Nicht-Landessprache ist? Hast du schon überlegt, wie viel Input dein Kind in der Nicht-Landessprache bekommt? Das ist nämlich sehr entscheidend. Entscheidender noch ist, sich nicht verunsichern zu lassen. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, durchlaufen unterschiedliche Phasen. Und da ist nicht nur die Art und Weise, wie die Eltern mit der Mehrsprachigkeit umgehen von Familie zu Familie sehr unterschiedlich, sondern auch wie die Kinder darauf reagieren. „Jedes Kind ist anders“ hört man oft genug, doch auch hier hat es eine große Bedeutung. Manche Kinder lernen die Nicht-Landessprache eine lange Zeit nur passiv – d.h. dass sie diese kaum aktivieren, dafür aber sehr viel bzw. alles verstehen. 

Hast du dir schon darüber Gedanken gemacht, was eine erfolgreiche mehrsprachige Erziehung eigentlich ist bzw. ausmacht? Ist eine erfolgreiche Mehrsprachigkeit automatisch eine, in der das Kind mit vier Jahren automatisch jeden Elternteil in der von den Eltern erwünschten Sprache anspricht? Muss das Kind in beiden Sprachen gleich fit sein? Ich kann dich beruhigen: So ist es nicht. 

Wusstest du, dass eine ausbalancierte Mehrsprachigkeit eher die Ausnahme ist? Kinder lernen die Sprache dort, wo sie auch Input bekommen. Die Sprachkompetenz ist kontextabhängig, somit fällt es deinem Kind wahrscheinlich leichter, die deutsche Sprache anzuwenden, wenn es über seinen Tag in der deutschsprachigen Kita erzählt und Spanisch, wenn es von dem Urlaub bei Opa und Oma in Spanien erzählt. Das ist ganz natürlich und es braucht seine Zeit, bis die Kinder über alle möglichen Themen mit derselben Leichtigkeit sprechen können. Und vor allem, dies erfordert eine aktive Förderung durch die Eltern.  

In meinen Augen ist eine erfolgreiche Mehrsprachigkeit eine Mehrsprachigkeit, in der das Kind ein positives Verhältnis zu seinen Sprachen und zu Sprache generell hat, so, dass es motiviert ist, sich sprachlich weiter zu entwickeln, auch wenn die eine Sprache eine Weile die von ihm meist aktivierte Sprache bleibt. Wichtig ist, dass es die andere Sprache nicht verweigert, sondern aktiviert sie in gewissen – wenn auch nur in punktuellen – Situationen, z.B. wenn es mit den Großeltern auf der anderen Seite der Grenze telefoniert. 

Behalte im Auge, dass passives Lernen auch Lernen ist. Biete deinem Kind genug Input an und erhöhe die Funktionalität deiner Sprache. Es weiß, dass du Deutsch auch sehr gut kannst – warum sollte es mit dir dann auf Spanisch reden, obwohl es ihm im Deutschen leichter fällt? Sorge dafür, dass dein Kind einen Sinn darin sieht, in deiner Sprache mit dir zu sprechen. Bleib auf jeden Fall dran, und wenn du dir Unterstützung wünschst, kontaktiere mich gerne. 


Hallo,

Wie schön, dass du hier bist!

Ich bin Dr. Adeline Hurmaci, deine Expertin und Coach für frühkindliche Mehrsprachigkeit.

Auf diesem Blog teile ich Tipps rund um den mehrsprachigen Familienalltag und Erfahrungen, die ich als Mutter mache denn mein Sohn wächst mit drei Sprachen (Deutsch, Französisch, Türkisch) auf.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

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