Dein Kind kommt bald in die Kita, in den Kindergarten oder zur Tagesmutter – das ist definitiv für alle Familienmitglieder eine spannende und aufregende Zeit. Wenn dein Kind dadurch erst in intensiver Berührung mit der Landessprache bzw. mit einer neuen Sprache kommt, dann gibt es vier Dinge, die du unbedingt wissen solltest. Welche das sind, erfährst du in diesem Artikel.
Ich habe selbst zwei Kinder – 10 und 4 Jahre alt – und den Kita-Start mit beiden unterschiedlich erlebt. Und mittlerweile habe ich so viele Familien auf ihrem Weg in die Mehrsprachigkeit begleitet, dass ich dir aus Erfahrung sagen kann, worauf es beim Kita-Start eines mehrsprachig aufwachsenden Kindes wirklich ankommt.
Ich habe vor einiger Zeit bereits einen Blog-Artikel zum Thema „Übergang in die Kita“ geschrieben, in dem ich Tipps für die Zeit vor und während der Eingewöhnung gegeben habe. Schau ihn dir gerne an.
Heute möchte dir vier Dinge mitgeben, die du unbedingt wissen solltest, damit du in dieser Zeit nicht anfängst, an dir oder deinem Kind zu zweifeln.
Eine “stille Phase” ist möglich
Vielleicht wirst du in der Zeit merken oder die Fachkräfte werden dir berichten, dass dein Kind nicht spricht. Doch bitte mach dir darüber erstmals keine Gedanken. Manche Kinder beobachten zunächst viel und sprechen in der neuen Umgebung wenig oder gar nicht.
Ich habe dazu bereits einen Gast-Beitrag auf meinem Blog veröffentlicht – “Selektiver Mutismus bei Kindern – Speziafall Mehrsprachigkeit”, schau ihn dir gerne an.
Sprich weiter deine Sprache mit deinem Kind
Diese Frage wird mir sehr oft gestellt: “Mein Kind kommt in die Kita und hat bisher nicht wirklich Deutsch gelernt. Sollte ich Deutsch mit ihm sprechen, damit er gut vorbereitet ist?
Nein, das brauchst du nicht. Ein Wechsel der Sprache könnte eher negative Auswirkungen haben – sowohl auf eure Kommunikation, eure Beziehung, als auch auf die Entwicklung deiner Herkunftssprache.
Du kannst aber dein Kind an das Thema “Kita” über Bücher heranführen und warum nicht diese auf Deutsch anschauen – damit du deinem Kind gezielt den Wortschatz gibst, den es dort gebrauchen kann.
Und auch das ist gar nicht nötig, wenn dein Kind noch sehr jung ist (unter zwei Jahren) – da wird es so oder so gut zurechtkommen. Bei einem älteren Kind kann es durchaus sinnvoll sein, vorher Bücher dazu anzuschauen, um das Ankommen zu erleichtern.
Und wenn irgendwann der Rat von den Fachkräften kommen sollte, dass du mehr Deutsch mit deinem Kind sprechen solltest, dann hol dir lieber eine zweite Meinung von einer Fachperson. So kommen wir zum nächsten Punkt.
Der Austausch mit pädagogischen Fachkräften ist sehr wertvoll, sie sind aber keine Fachberaterinnen oder Fachberater
Der Austausch und die Zusammenarbeit mit pädagogischen Fachkräften ist sehr wichtig. Wenn es aber um Fragen rund um das Thema Mehrsprachigkeit geht, dann wende dich lieber an Fachpersonen. Denn pädagogische Fachkräfte verfügen in der Regel nicht über genug Wissen zum Thema Mehrsprachigkeit. Damit geschaut werden kann, welcher Weg sich bei euch als Familie am besten eignet, ist eine genaue Sprachbiografie und Sprachumfeld-Analyse notwendig. Nur eine individuelle Beratung kann dir weiterhelfen, da bin ich gerne für dich da.
Was dein Kind braucht sind Interaktionen
Wenn dein Kind zu Hause bzw. im familiären Umfeld kein oder wenig Kontakt zu der Landessprache hat und diese kaum spricht, dann ist folgendes sehr wichtig: achte darauf, dass es genug und qualitative Interaktionen mit Muttersprachler*innen hat und verlasse dich nicht darauf, dass es in der Kita ausreicht. Denn oft ist es leider in Deutschland so, dass die Fachkräfte ausgelastet sind und kaum Zeit für 1:1-Interaktionen mit den Kindern haben. Und vielleicht ist die Mehrheit der anderen Kinder in der Kita auch nicht deutschsprachig? Wie soll dein Kind dann die Sprache lernen? Sorge bewusst für den Kontakt mit deutschsprachigen Menschen, auch außerhalb der Kita.
Fazit: Vertrauen statt Druck
Der Start in die Kita ist für jede Familie ein großer Schritt – und wenn dein Kind mehrsprachig aufwächst und gleichzeitig eine neue Sprache kennenlernt, kommen oft noch zusätzliche Fragen und Unsicherheiten dazu.
Aber du musst nicht versuchen, dein Kind sprachlich „fit für die Kita“ zu machen. Vertraue auf eure Familiensprache, auf eure Beziehung und darauf, dass dein Kind seinen eigenen Weg gehen darf. Eine stille Phase ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge, und auch die Tatsache, dass dein Kind anfangs noch wenig Deutsch spricht, bedeutet nicht, dass etwas falsch läuft.
Was dein Kind vor allem braucht, sind echte, wertvolle Interaktionen und Zeit, um die neue Sprache in seinem eigenen Tempo zu entdecken.
Und wenn du unsicher bist: Hol dir Unterstützung. Denn gerade bei Mehrsprachigkeit gibt es nicht die eine Lösung, die für alle Familien passt. Entscheidend ist immer eure individuelle Situation. Ich bin gerne für dich da.