Bilinguale Erziehung: Ein Kinderspiel? Ja und nein. Ja, es fällt Kindern in den ersten Lebensjahren leicht, mehrere Sprachen zu lernen; aber, dass sie sich diese wirklich aneignen und sprechen können, ist nochmal was Anderes. Es ist mir ein persönliches Herzensanliegen, darüber zu sprechen bzw. zu schreiben, damit ihr als Eltern von Anfang an euren Kindern die besten Bedingungen für die Zweisprachigkeit bieten könnt. Deshalb gehe ich heute in diesem Artikel auf 8 wichtige Fakten, die ihr unbedingt kennen solltet, wenn ihr euch auf diese Reise macht.
Verwirrung? Nein – Förderung!
Spätestens dann, wenn Kinder anfangen, richtig zu sprechen, fragen sich Eltern:
„Moment mal… zeigt das Kind auf einen Baum, sage ich ‚Baum‘, und der Papa sagt gleichzeitig ‚tree‘ – ist das nicht total verwirrend?“
Die gute Nachricht: Nein, ist es nicht. Im Gegenteil – das kindliche Gehirn ist perfekt dafür gemacht.
Mehrsprachigkeit ist eine Super-Fähigkeit von Kindern.
Schon früh lernen sie: Ein Objekt, eine Handlung oder ein Gegenstand kann mehrere Begriffe haben – das fördert die kognitive Entwicklung enorm.
Die Idee, dass Kinder durch mehrere Sprachen verwirrt werden, ist ein Mythos. Weltweit wachsen Millionen Kinder mehrsprachig auf – für sie ist das völlig normal.
Sprachmischung: Ein Zeichen von Können, nicht von Verwirrung
Nun kommen wir zum zweiten Punkt:
Oft machen sich Eltern Sorgen, wenn ihr Kind die Sprachen vermischt – wenn es z.B. sagt: Ich will milk drinken” und interpretieren das als ein Zeichen von Verwirrung.
Doch Sprachmischung ist kein Zeichen von Verwirrung, sondern von Können. Denn wenn ein Kind Sprachen mischt, bedeutet das: es kann beide Sprachen aktivieren.
Also: Alles super!
Das Vermischen der Sprachen, sowohl auf der Wortschatz- als auch auf der Grammatik-Ebene ist völlig normal und gehört zum Erwerbsprozess dazu.
Solange Kinder Wörter mischen, trainieren sie ihre Sprachfähigkeiten aktiv.
Vertrau deinem Kind – wenn ihr als Eltern damit richtig umgeht, wird das Vermischen der Sprachen nach einer Zeit verschwinden. Um zu wissen, wie du es richtig machst, bleib noch dran, gleich gebe ich dir ein paar konkrete Tipps.
An dieser Stelle ist eines besonders wichtig: Das Potenzial, wirklich mehrsprachig zu werden, steckt in deinem Kind. Damit es seine sprachlichen Fähigkeiten jedoch voll entfalten kann, braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Ähnlich wie eine Blume, die nur dann wächst und aufblüht, wenn sie unter optimalen Bedingungen gedeiht.
Wenn das Kind sprachlich nicht altersgerecht entwickelt ist
Zurück zu unserem heutigen Thema. Ein weiterer Grund, warum Eltern denken, ihr Kind sei durch Mehrsprachigkeit verwirrt, ist folgender: Manchmal machen sie sich Sorgen, weil ihr Kind im Vergleich zu anderen noch wenig oder gar nicht spricht – und fragen sich, ob das an der Mehrsprachigkeit liegen könnte.
Meine Antwort ist hier ganz klar: Nein. Die Mehrsprachigkeit an sich ist nicht der Grund.
In so einer Situation müsste man schauen: Was genau ist der Entwicklungsstand in den verschiedenen Sprachen? Was ist tatsächlich “auffällig”? Und dann genau analysieren, welche Ursachen dahinter stecken könnten. Wenn du unsicher bist, melde dich bei mir – ich helfe gerne weiter.
Nun gebe ich dir drei konkrete Tipps, damit du dein Kind beim Spracherwerb richtig unterstützt:
Konkrete Tipps: Auf diese Dinge solltest du achten
Struktur
Wenn du dein Kind gezielt im Spracherwerb fördern möchtest, ist eine gewisse Struktur bei der Anwendung der Sprachen empfehlenswert. Das heißt nicht, dass du es verwirrst, wenn du es nicht tust – aber der Lernprozess dauert dann länger.
Struktur hilft also beim Mehrspracherwerb. Es bedeutet nicht, dass alles strikt getrennt sein muss, aber ein gewisser Rahmen erleichtert Kindern den Lernprozess. Z.B. können bestimmte Personen oder Situationen bestimmten Sprachen zugeordnet werden.
Schau dir dazu meinen Blog-Artikel “Mehrsprachige erziehen: Wie? Welche Strategien gibt es?” an.
Konsequenz
Gerade dann, wenn dein Kind die Sprachen mischt – was ja, ich betone es gerne nochmal – normal ist, dann ist Konsequenz in der Anwendung der Sprachen besonders wichtig. D.h. dass du nicht ständig die Sprachen vermischst sondern klar bei einer Sprache bleibst – je nachdem welche Strategie, du ausgewählt hast.
Also ganz konkret bedeutet das: Wenn dein Kind einen Satz sagt und dabei verschiedene Sprachen vermischt, wiederhole ihn einfach so, wie er richtig hätte klingen sollen.
Kinder lernen durch Nachahmung und du bist das Vorbild für dein Kind. Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter früher manchmal über sich selbst lachte und sagte: „Tue das, was ich sage, nicht das, was ich tue.“ Aber Fakt ist: Kinder tun immer, was wir tun – nicht, was wir sagen. Denk dran.
Vertrauen
Sorge dafür, dass du dich vollkommen sicher fühlst und volles Vertrauen in euren Weg als Familie hast – Kinder spüren unsere Unsicherheit sofort.
Wenn du als Mama oder Papa selbst sicher und gelassen mit den Sprachen umgehst, überträgt sich das auf dein Kind.
Ein entspanntes Umfeld ist unbezahlbar für den erfolgreichen Spracherwerb.
Zusammenfassung
Also, was nehmen wir heute mit:
- Mehrsprachigkeit verwirrt Kinder nicht – sie fördert die kognitive Entwicklung.
- Sprachmischung ist ein Zeichen von Kompetenz, nicht von Verwirrung.
Struktur, Konsequenz und Vertrauen sind essenzielle Schlüssel, um Kinder sicher durch die Mehrsprachigkeit zu begleiten.