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Darum ist OPOL nicht immer sinnvoll

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04/03/22

 

Wenn du dich bereits mit mehrsprachiger Erziehung beschäftigt hast, hast du den Begriff OPOL - One Parent One Language - vermutlich schon einmal gehört: Eine Person übernimmt in der Kommunikation mit dem Kind die eine Sprache, die andere Person spricht in einer anderen Sprache mit dem Nachwuchs.  

Und tatsächlich: Für viele Familien, in denen die Eltern zwei unterschiedliche Muttersprachen  mitbringen, ist schon vor der Geburt klar, dass sie ihr Kind auf diese Weise aufwachsen lassen. Und in vielen Familien ist das auch wirklich der beste Weg. Manchmal eignen sich andere Wege allerdings besser. Warum das so ist und was es für Alternativen gibt, erfährst du hier.

 

OPOL war lange DIE Methode bilingualer Erziehung 

Wissenschaftler*innen haben lange dafür plädiert und viele Ratgeber tun es heute immer noch: Eltern sollten im Idealfall jeweils nur eine Sprache mit ihrem Kind sprechen.

Dass das so ist, hat vor allen Dingen zwei Gründe:

  1. Man ist lange davon ausgegangen, dass es Kinder verwirrt, wenn ein Elternteil in unterschiedlichen Sprachen mit ihnen spricht.
  2. OPOL war lange Zeit die am meisten erforschte Methode in der mehrsprachigen Erziehung [1]- sie war also einfach alternativlos.

Doch heute weiß man, dass Kinder schon sehr früh in der Lage sind, Sprachsysteme getrennt wahrzunehmen. Eine verlässliche Struktur in der Anwendung der Sprachen ist natürlich trotzdem wichtig. Sie sollte allerdings nicht automatisch personengebunden sein [2], denn das stetige Sprechen in der eigenen Sprache mit dem Kind führt nicht automatisch zum Erfolg.

Das haben mein Mann und ich selbst erlebt: Seit der Geburt unseres Kindes waren wir sehr fleißig: Ich habe nur Französisch mit unserem Sohn gesprochen, mein Mann Türkisch - und das funktionierte auch prima. Bis unser Sohn in den Kindergarten kam. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Landessprache Deutsch in seinem Alltag so dominant, dass unsere beiden anderen Sprachen bald keinen Platz mehr in seinem täglichen Sprachgebrauch fanden.

Und als Mutter kann ich sagen: Es bricht einem das Herz, wenn das eigene Kind die eigene Herzenssprache nicht (mehr) spricht und im schlimmsten Fall deswegen das Verhältnis zur eigenen Herkunftsfamilie leidet. 

4 Gründe, warum OPOL nicht immer die beste Wahl ist 

So wie es uns damals ging, geht es vielen mehrsprachig erziehenden Familien, denn es gibt einige Faktoren, die bei One-Person-One-Language nicht berücksichtigt werden: 

  • Eine weitere Sprache zu lernen, scheint Kindern manchmal sinnlos

Ein ganz wichtiger Faktor, der zu einer aktiven Mehrsprachigkeit beiträgt, ist die Relevanz bzw. der Sinn, den das Kind im Sprechen einer Sprache sieht: Wenn es erkennt, dass Papa oder Mama die Landessprache auch versteht, verliert die “zusätzliche” Sprache an Bedeutung. Das Lernen einer solchen Sprache setzt dann eine aktive Förderung voraus und braucht entsprechende Bedingungen - und da sind andere Wege manchmal besser geeignet, um die Nicht-Landessprache zu stärken. 

  • Manchen Familien brauchen eine gemeinsame Sprache 

Familien, in denen OPOL angewandt wird, haben oft keine gemeinsame Sprache, die in der Familie untereinander gesprochen wird, denn in der Theorie wird nur die Kommunikation zwischen den jeweiligen Eltern mit dem Kind berücksichtigt.

Die Familienmitglieder wechseln je nach Gesprächspartner die Sprache - auch wenn alle gemeinsam in einem Raum sind. Das kann gut funktionieren, ist aber oft sehr herausfordernd - vor allem dann, wenn die Eltern untereinander eine Sprache sprechen, die mit dem Kind nicht gesprochen wird (oft Englisch). Diesen Familien fehlt als verbindendes Element oft eine gemeinsame Familiensprache. 

  • OPOL kann zu Druck und Frustration führen

Die OPOL-Methode kann dazu führen, dass sich der Elternteil, der nicht in der Landessprache mit dem Kind kommuniziert, extrem unter Druck gesetzt fühlt: Die Verantwortung für das Gelingen der Zweisprachigkeit liegt einzig und allein bei ihm bzw. bei ihr.  Und auch das Kind kann sich unter Druck gesetzt fühlen: Wird es stetig ermahnt, die Sprache zu wechseln oder der Elternteil ignoriert sein Kind, weil es die falsche Sprach nutzt, kann das langfristig zu Frustration und Enttäuschung führen. Im schlimmsten Fall hemmt diese Situation den Spracherwerb des Kindes auf Dauer komplett und auch die Beziehung zum Elternteil leidet. 

  • Ein Elternteil ist selbst zweisprachig aufgewachsen 

Das Konzept von OPOL bezieht sich vor allen Dingen auf Familien, in denen die Kinder bilingual aufwachsen. Drei oder mehr Sprachen werden hier also gar nicht berücksichtigt. Doch gibt es zum Beispiel eine Menge Familien, in denen ein Elternteil zweisprachig aufgewachsen ist und diese beiden Sprachen auch gerne an seinen Nachwuchs weitergeben würde - und das auch, wenn er oder sie sich in diesen Sprachen nicht so sicher fühlt, wie in der Landessprache. In diesen Fällen braucht es andere Lösungen. Oder sollten diese Eltern eine Sprache gar nicht erst weitergeben, obwohl sie ihnen am Herzen liegt? Und das nur, weil sie sie nicht immer und in jeder Situation mit ihrem Kind sprechen können. Das wäre doch schade!

Alternativen zu Eine-Person-eine-Sprache 

Wie oben bereits erwähnt, gibt es Alternativen zur OPOL-Methode und somit auch Ansätze in der multilingualen Erziehung, die eine strukturierte Anwendung der Sprachen ermöglichen, dabei aber die reale Lebenssituation der Familie nicht aus den Augen verlieren.

Sprechen zum Beispiel beide Eltern beide Sprachen auf muttersprachlichem Niveau, könnte das sogenannte Ein-Raum-Eine-Sprache-Modell sinnvoll sein: Hierbei wird zu Hause nur die Nicht-Landessprache gesprochen. Dabei gilt es jedoch bestimmte Regeln zu befolgen, wie zum Beispiel den relativ frühen Eintritt in den Kindergarten (dazu Siehe Blog-Artikel dazu), damit das Kind auch möglichst früh mit der Landessprache in Berührung kommt.

Ein weiterer Ansatz bilingualer Familien kann es sein, eine Sprache nur situativ einzusetzen, zum Beispiel zu bestimmten Zeiten. Wichtig ist hierbei allerdings, dass die Eltern die Regeln klar definieren und sich natürlich auch selbst daran halten.

Wir wenden die OPOL-Methode  an - und jetzt?

Wenn ihr bis jetzt Opol angewandt habt, sollen die oben genannten Punkte natürlich nicht dazu führen, dass ihr euer Konzept der mehrsprachigen Erziehung von jetzt auf gleich aufgebt. Ganz im Gegenteil: In vielen Fällen ist das OPOL-Prinzip die beste Möglichkeit, sein Kind bilingual aufwachsen zu lassen. Aber es ist nicht die einzige und abhängig von den individuellen Rahmenbedingungen, können andere Konzepte manchmal sinnvoller sein. Welcher Weg für dich und deine Familie der richtige ist, kann nur individuell bestimmt werden. Und genau das gilt es herauszufinden.

Folgende Fragen können euch helfen, das für euch richtige Konzept zu finden:

  • Wie fühlen wir uns mit unseren Sprachen?
  • Was sind unsere Ziele?
  • Wie können wir unserem Kind den bestmöglichen Input geben?

Ganz wichtig: Lasst euch Zeit und findet heraus, in welcher Konstellation sich die gesamte Familie wohlfühlt.

Zusammenfassung 

Grundsätzlich sollte man als Hauptsprache mit seinem Kind die Sprache wählen, in der man sich am sichersten fühlt und authentisch ausdrücken kann. Trotzdem ist es möglich, auch eine zweite Sprache mit seinem Kind zu sprechen. Wichtig ist dabei nur, entsprechende Strukturen zu schaffen, um das Kind bestmöglich beim Lernen zu unterstützen. 

 

 

 

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Quellen

[1] Anstatt, T.; Dieser, E. (2007): Sprachmischung und Sprachtrennung bei zweisprachigen Kindern (am Beispiel des russisch-deutschen Spracherwerbs). In: Anstatt, T. (Hrsg.): Mehrsprachigkeit bei Kindern und Erwachsenen. Erwerb. Formen. Förderung, Tübingen: Attempto, S. 139-162: S. 141

[2] Anstatt und Dieser 2007: S. 160.

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