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Kulturelle Unterschiede in der Familie: 5 Tipps für ein glückliches Miteinander

17/12/20211

 

 

Mehrsprachige Familien sind oft auch Multikulti Familien, und das bringt Herausforderungen mit sich  

Hast du manchmal das Gefühl, dass gewisse Themen den Alltag und die Beziehung zu deinem Partner/deiner Partnerin belasten? Sind es Themen, bei denen dein Partner und du unterschiedlicher Meinung seid? Hast du manchmal das Gefühl, mehr Kompromisse einzugehen als er/sie? 

Du bist damit nicht allein. Solche Herausforderungen gibt es in jeder Familie und Multikuli-Familien sind davon umso stärker betroffen. Denn egal, ob es um länderspezifische oder familienspezifische kulturelle Traditionen und Gewohnheiten oder einfach um Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Erziehungsfragen geht, vieles kann im elterlichen Alltag zu Diskussionen führen. 

In diesem Beitrag teile ich mit dir meine persönliche Erfahrung als Mutter an der Schnittstelle zwischen drei Kulturen und gebe dir vier Tipps für den Umgang mit schwierigen Themen. 

Beispiel: Drei Kulturen, drei Perspektiven aber am Ende ein gemeinsamer Weg

Als mein Sohn klein war, hatte ich oft das Gefühl, zwischen drei Stühlen – sprich drei Kulturen - zu stehen. Das hat mir am Anfang das Leben teilweise schwer gemacht. Ich musste zuerst lernen, mit dem Zusammenprallen von drei Kulturen gelassen umzugehen, sogar lernen, davon zu profitieren. 

Bei uns sind drei Kulturen (die französische, die türkische und die deutsche) vertreten, die in manchen Hinsichten nicht unterschiedlicher sein könnten. Da fallen mir gleich drei große Themen ein, wo die Einsichten nicht kontrastreicher sein könnten: Stillen, Schlafen und Tagesbetreuung.

In Frankreich wird eine Frau teilweise komisch angeguckt, wenn sie mehr als drei Monate stillt. Dort gehen (gefühlt, die wahren Zahlen kenne ich nicht) 95% der Frauen nach drei Monaten wieder arbeiten – wie soll sich das mit dem Stillen vereinbaren lassen? Schläft das Kind mit zwei Monaten nicht durch, hört man dort oft: „Gib ihm Abends doch einfach eine Flasche“. In Frankreich entscheiden sich außerdem viele Frauen bewusst vor der Geburt dagegen, ihr Kind zu stillen, z.B. weil sie wollen, dass der Papa auch an den sehr intimen Momenten der Nahrungszufuhr Teil haben kann und somit eine intensive Beziehung von Anfang an zu seinem Kind aufbauen kann. In Deutschland oder in der Türkei wird es wiederum eher kritisch angesehen, wenn eine Mutter gar nicht erst versucht, zu stillen, und es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Kind mit anderthalb Jahren noch gestillt wird.

In Frankreich ist es unvorstellbar, dass ein Kind mit drei Jahren noch im Elternschlafzimmer („wie, sogar im Elternbett?!“) schläft. In Deutschland wird es von immer mehr Familien so gemacht und in der Türkei ist es schon längst eine ganz gewöhnliche Sache. 

In Frankreich gehen die meisten Kinder schon mit drei Monaten zur Tagesmutter, weil beide Eltern wieder Vollzeit arbeiten (die meisten aus dem einfachen Grund, dass sie das Geld brauchen oder weil sie Angst haben, vom Chef schlecht angesehen zu werden). In Deutschland gehen die meisten Kinder erst mit einem oder zwei Jahr(en) in die Kita; aus türkischer Sicht (vor allem der aktuellen Großeltern-Generation) wird eher kritisch angesehen, dass ein Kind unter drei Jahren nicht die meiste Zeit des Tages mit der Mutter oder einer nahestehenden Person wie der Oma seine Zeit verbringt. 

Das nur als kleiner Überblick, um zu zeigen, wie viele potenzielle „Problem“-Themen es gibt, die Eltern aus multikulturellen Familien vor Herausforderungen stellen können. 

Doch wir alle können lernen, damit umzugehen und uns teilweise von eigenen Prinzipien zu lösen, die durch unsere Sozialisation bedingt sind. Wir alle können lernen, uns zu öffnen und eine neue Sichtweise anzunehmen. An der Stelle ist es erst einmal wichtig, sich als Paar die nötige Zeit zu lassen, um den eigenen passenden Weg zu finden und zu schauen, was aus den unterschiedlichen Perspektiven übernommen und gelassen wird. In meinen Augen gibt es vier goldene Regeln, die genau das ermöglichen bzw., die für einen entspannten multikulturellen Familienalltag notwendig sind. Diese möchte ich im Folgenden vorstellen. 

 

Tipps für eine entspannte elterliche Beziehung trotz kultureller Unterschiede

Tipp 1: Offen und in Ruhe Kommunizieren 

Wenn etwas, was uns schon immer wichtig gewesen ist, von einer anderen Person plötzlich in Frage gestellt wird, kann dies uns emotional hart treffen. Wenn dich etwas traurig macht oder bei dir Stress auslöst, sprich es unbedingt an. Finde einen ruhigen Moment und sprich mit deinem Partner/deiner Partnerin über das Thema, das dich gerade beschäftigt. Bei wirklich heiklen Themen kann es helfen, dass jeder sich vor dem Gespräch fünf Minuten Zeit nimmt, um auf ein Blatt Papier die Punkte aufzuschreiben, die ihm/ihr auf dem Herzen liegen. Teile deinem Partner/deiner Partnerin mit, was dir sehr wichtig ist, was du deinem Kind unbedingt weitergeben möchtest und warum.

Tipp 2: Versuchen, die andere Perspektive zu verstehen und mit anderen Augen zu betrachten 

Wir, Eltern, wurden völlig unterschiedlich sozialisiert, haben ganz andere Erfahrungen in unserem Leben gemacht, die uns zu den Menschen gemacht haben, die wir heute sind. Wir haben teilweise eine unterschiedliche Bereitschaft, unseren Standpunkt mal zu erweitern bzw. zu ändern. Manchmal braucht es einfach Zeit, und das müssen beide Partner akzeptieren können. Da hilft es aber zu versuchen, das Ganze aus der anderen Perspektive zu betrachten. Dies bedeutet auch, in der Lage zu sein, sich selbst und seine eigenen Erfahrungen, Gewohnheiten oder Traditionen zu reflektieren. 

Tipp 3: Gemeinsam nach Lösungen suchen und dabei die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigen

Stellt euch folgende Frage: Was wäre ein guter Kompromiss, mit dem alle gut leben können? Meistens lässt sich alles gut vereinbaren, man muss nur herausfinden wie.

Wenn es ums Glauben geht, dann überlegt gemeinsam, wo auf keinen Fall Kompromisse gemacht werden können und wo eurem Kind Glaubensfreiheit gelassen werden kann. Z.B. beim Thema „Glauben an den Weihnachtsmann”: Für manche ist es ein wunderschöner Traum, der in keiner Kindheit fehlen dürfte; für andere eine Lüge an das eigene Kind. Wie kann man damit umgehen? Mein Lösungsvorschlag: Ganz einfach indem man auf das Kind und seine Bedürfnisse eingeht. Kinder im Kleinkindalter brauchen Fantasie-Figuren und solange sie explizit nicht danach fragen, ob es den Weihnachtsmann gibt oder nicht, sollte man ihnen das nicht wegnehmen bzw. nicht etwas dazu sagen. Und auch wenn es soweit ist, dass euer Kind selbst danach fragt, könnt ihr mit der Antwort offen bleiben: „Was denkst du, gibt es den? Wenn du glaubst dass es ihn gibt, dann gibt es ihn bestimmt.“

Tipp 4: Mit dem Kind über die kulturellen Unterschiede sprechen

Sprecht mit eurem Kind darüber, dass ihr, seine Eltern, mit unterschiedlichen Kulturen aufgewachsen seid. Zeigt ihm/ihr, dass ihr gegenüber der anderen (Familien)kultur offen seid (z.B. indem ihr sagt: „Weißt du, ich bin anders aufgewachsen... aber ich finde es auch schön, dass in Papas Familie…“).

Es ist so unglaublich wichtig, eine positive Einstellung gegenüber allen betroffenen Kulturen zu haben. Nur so kann euer Kind nämlich eine – für den Spracherwerb notwendige - positive Bindung zu den unterschiedlichen Sprachen aufbauen. Ein guter Weg, eurem Kind diese positive Einstellung zu vermitteln besteht darin, ein aktives Interesse für die andere Sprache zu zeigen. 

Fazit: Die Reise genießen!

Wir, multikulturelle Familien, haben ein großes Glück: Wir haben die Möglichkeit, unseren eigenen Standpunkt immer wieder mit anderen Augen zu reflektieren und somit unseren eigenen Horizont zu erweitern. Wir können unseren eigenen Weg kreieren und damit unseren Kindern zeigen, wie das Miteinander-Leben trotz Unterschieden gelingt. Ist das nicht wunderbar? Wenn wir Unterschieden mit Offenheit begegnen, legen wir außerdem für unsere Kinder die besten Grundlagen, damit sie eine Identität aufbauen können, die nicht von inneren Konflikten geprägt ist. Also: kreiert euren eigenen Weg und genießt die Reise!

 

 

 

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